Verkehrssicherheit bei Nässe – Polierprüfung und Griffigkeitsmessung nach dem Verfahren Wehner-Schulze

„Griffigkeit kann man nicht sehen“. Diese Weisheit ist schon so manchem Verkehrsteilnehmer zum Verhängnis geworden, wenn sein Fahrzeug auf rutschigen Straßen ins Schleudern gekommen ist. Daher ist es seit vielen Jahrzehnten in unseren Regelwerken des Straßenbaus verankert, dass Deckschichten ausreichend griffig sein müssen.
Mit der Einführung von Anforderungswerten für die Straßengriffigkeit in Deutschland, z. B in der ZTV Asphalt-StB 01 ist eine Diskussion hinsichtlich dem Qualitätsmaß „Gebrauchswert der Straße“ zwischen Baulastträgern, Prüfinstituten, Vertretern von Wissenschaft und Forschung sowie der Bauwirtschaft neu belebt worden.
Zudem zeigen zunehmend Motorrad- und Autovereine sowie Anwälte und die Deutschen Versicherer großes Interesse an dem Griffigkeitsniveau von Straßenbelägen.
Die Brisanz liegt in den vielfältigen Betrachtungsweisen des Griffigkeitsniveaus aufgrund der unterschiedlichen Berührungspunkte. Die Straße ist ein Gebrauchsgut, ein Bauprodukt aber auch eine Baulast.
Um ein gleichmäßiges und ausreichendes Griffigkeitsniveau auf den Straßen gewährleisten zu können, muss die Oberfläche bereits bei der Verkehrsfreigabe ausreichend rau sein, es aber auch über die gesamte Nutzungsdauer bleiben. Diese Entwicklung der Griffigkeit im Laufe des Gebrauchs ist aber eine Eigenschaft, die von vielen Einflussfaktoren abhängt.
Mit dem von Wehner und Schulze an der Technischen Universität Berlin entwickelten Prüfverfahren wird der Polierwert PWS durch zeitraffende Simulation der Verkehrseinwirkungen auf die zu prüfenden Probekörperoberflächen bestimmt. Mit diesem Verfahren sind Prüfungen an einzelnen Gesteinskörnungen ebenso möglich, wie die Prüfung an Gesteinskörnungsgemischen, Asphalt-, Beton, oder Natursteinoberflächen von Laborproben oder Bohrkernen aus Verkehrsflächen.
Die Prüfanlage nach Wehner/Schulze besteht aus einer speziellen Poliermaschine und dem Labor-Griffigkeitsmessgerät LGM. Sie arbeitet mit planebenen Prüfflächen von 22,5 cm Durchmesser. Die Polierprüfungen werden standardmäßig nach den TP Gestein-StB Teil 5.4.2 „Bestimmung des Polierwertes mit dem Verfahren nach Wehner/Schulze“ an Gesteinskörnungen“ durchgeführt. Daneben werden aber auch schon seit 2 Jahrzehnten Performance-Prüfungen zur Prognose der Griffigkeitsentwicklung durchgeführt, sowohl an im Labor hergestellten Probekörpern als auch an Bohrkernoberflächen aus realen Straßen.

Abbildung links: Die Prüfanlage nach Wehner/Schulze (Entwicklungsstand 2002)
Abbildung rechts: Der Polierkopf der Prüfanlage

Die Poliermaschine führt eine zeitraffende Verkehrssimulation auf der zu prüfenden Oberfläche durch. Die Einwirkungen der Fahrzeugreifen werden dabei durch drei umlaufende, konische Gummirollen nachgeahmt, welche die Oberfläche in einer Kreisbahn querkraftfrei befahren. Dabei verhalten sich diese Rollen wie nicht angetriebene Räder, denen ein leichter Bremsschlupf aufgeprägt ist. Während der Verkehrssimulation wird über ein Kreislaufsystem ständig ein Wasser-Schmirgel-Gemisch auf die Probenoberfläche gespült. Es dient sowohl der Kühlung der Rollen, als auch der Intensivierung der Verkehrsnachahmung.

Durch die Verbreitung des Prüfverfahrens mit einer modernisierten 2. Gerätegeneration in ganz Europa und der Vorbereitung einer Europäischen Norm EN für das Verfahren, erhielt das Verfahren enormen Aufwind. Derzeit wird in unserem Hause, neben einer Reihe von Untersuchungsvorhaben zur Optimierung der Griffigkeitseigenschaften von Beton und Asphaltdecken, ein europäischer Ringversuch zur Ermittlung der Präzision des Verfahrens unter Vergleichsbedingungen durchgeführt. Sollten Sie an weiteren Informationen über das Thema interessiert sein oder konkreten Untersuchungsbedarf für Gesteinskörnungen oder Baustoffgemische haben, informieren wir Sie gerne.